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Saisonüberblick 2017/18

Meisterhaft

Wer ist Lehrling? Jedermann.
Wer ist Geselle? Der was kann.
Wer ist Meister? Der was ersann.

Ein Meister unterscheidet sich von einem Gesellen durch die vollkommene Beherrschung seines Metiers. Was der Lernende noch anstrebt, hat sein Vorbild schon erreicht. Der Geselle setzt dabei natürlich alles daran, es dem Meister gleich zu tun. Die Werke des Meisters selbst sind aber das Maß aller Dinge.

Johann Sebastian Bach zählt man zu den großen Meistern der Komposition, manche halten ihn sogar für den größten Komponisten aller Zeiten. Viele seiner Werke haben bis heute Maßstäbe gesetzt.

Meisterhaft zu nennen sind generell Werke, die hervorragen aus dem Oeuvre eines Komponisten und uns auch nach vielen Jahren ihrer Entstehung immer wieder aufs Neue faszinieren.

Meisterhaft zu nennen sind daneben auch die Künstler, die als Voraussetzung ihre Instrumente perfekt beherrschen, um mit dieser Kunst die einzigartigen Werke zum Klingen zu bringen.

Der Kirchheimer Konzertwinter hat im Programm zur 27. Saison beides vorzuweisen. Wunderbare Werke werden durch formvollendete Interpretationen der Künstlerinnen und Künstler das Publikum in ihren Bann ziehen und das Ohr erfreuen.

Eröffnet wird der Konzertreigen im Oktober mit Traversflöte und Cembalo, und zwar mit einem Auftritt der beiden Japaner Yoko Tsurata und Masato Suzuki. Der Abend mit Solo- und Duo-Werken von Johann Sebastian Bach zeigt hier die überragende Qualität seiner Kompositionen in der Kammermusik auf.

Auch im November steht der berühmte Thomaskantor mit Werken, diesmal für sein ureigenes Instrument - die Orgel - im Mittelpunkt. Johannes Lang, jung, aufstrebend, bereits vielfach preisgekrönt und schon ein wahrer Meister seines Faches, wird eine exemplarische Auswahl aus dessen Früh- bis Spätwerk in chronologischer Abfolge darbieten und sein vorzügliches interpretatorisches Können unter Beweis stellen.

Das festliche Weihnachtskonzert im Dezember ist - wie könnte es anders sein - traditionell mit Trompete und Orgel besetzt. Eingeladen wurden zwei Ausnahmemusiker und Echo-Klassik-Preisträger, Matthias Höfs, "Botschafter der Trompete" aus seiner Heimat Schleswig-Holstein, und Christian Schmitt, einer der gefragtesten Konzertorganisten seiner Generation. Beide Interpreten garantieren ein sowohl virtuoses wie auch besinnliches Fest für die Ohren.

Im Laufe der Musikgeschichte gibt es auch viele zu Unrecht (fast) vergessene Meister. Christoph Graupner, dessen Werke trotz ihrer hohen Qualität heute noch weitgehend unbekannt sind, hätte nach dem Willen der Stadt Leipzig 1723 sogar den Vorzug vor Johann Sebastian Bach als Thomaskantor bekommen sollen, wenn nicht sein Landesfürst auf dem Verbleib am Hofe in Darmstadt bestanden hätte. Im Januar erklingen in zwei Konzerten mit dem Titel "Solo & Dialog" fünf Kantaten aus seinem überreichen Schaffen von mehr als 1400 Kantatenkompositionen. Ein teilweise für dieses Projekt exklusiv edierter Schatz mit Solokantaten für Sopran bzw. Bass sowie Dialogkantaten für beide Stimmlagen, instrumentell vom Kirchheimer BachConsort begleitet, wird nach über 300 Jahren gehoben. U.a. wird wieder die inzwischen weltweit gefragte Sopranistin Hana Blažíková auftreten, die mit ihrer bestechenden, schlanken und glasklaren Stimme schon viele Fans gewonnen hat. Es ist vorgesehen, das Graupner-Kantatenprojekt wieder im Rundfunk auszustrahlen wie auch auf CD einzuspielen.

Drei Virtuosen aus der Szene für Alte Musik sind im Februar zu Gast. Neben Plamena Nikitassova werden erstmals der weltbekannte "Hexenmeister" der Blockflöte Maurice Steger und der Tastenvirtuose Francesco Corti bei uns zu hören sein. Das Trio mit der aparten Besetzung Violine, Blockflöte und Cembalo widmet sich teilweise atemberaubend virtuosen Werken der Barockzeit - ein Muss für alle Fans der Alten Musik !

Zum Abschluss der Saison im März gibt es einen Liederabend als Hommage an den schwäbischen Dichter Eduard Mörike. Dieser fand in Hugo Wolf einen Seelenverwandten, der seine Gedichte kongenial vertonte. Kostbare Preziosen über Liebe, Leid und teilweise mit viel Humor werden im wechselvollen Dialog von Sopran (Sarah Wegener) und Bassbariton (Dominik Wörner), kunstvoll am Klavier (Simon Bucher) accompagniert, zum Klingen gebracht.

Ich lade Sie ein, sich von Meisterhaftem inspirieren zu lassen: den Werken als auch den Interpreten, die sie zum Klingen bringen werden - dabei wünsche ich Ihnen viel Freude und bewegende Konzerterlebnisse !

Dominik Wörner
Künstlerischer Leiter