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Saisonüberblick 2016/17

Vielfältig ist die Musikwelt – seien es die Instrumente oder die Musikstile, seien es die Komponisten oder die Interpreten. Die verschiedenen Epochen haben unterschiedlichste Musikformen hervorgebracht – vom einstimmigen gregorianischen Gesang bis zum opulent besetzten Oratorium „Gurre-Lieder“ von Schönberg, vom Soloklang einer Schalmei bis zur Symphonie der Tausend bei Mahler. Nicht alles wurde in früheren Zeiten zu Papier gebracht, doch was uns überliefert ist, füllt meterweise die Regale, beispielsweise dokumentiert in der Enzyklopädie „Musik in Geschichte und Gegenwart“, kurz MGG. Da finden sich nach wie vor Schätze, die gehoben werden wollen, eine Arbeit noch für viele Generationen. Der Kirchheimer Konzertwinter möchte in seiner 26. Saison eintauchen in diese Vielfalt und mitunter auch manchen Schatz heben – im Wissen, dass die sechs Projekte mit sieben Konzerten unter dem Motto VIELFALT nur einen Bruchteil des Makrokosmos der Musikgeschichte abbilden können.

Eröffnet wird die diesjährige Reihe mit Oboe & Harfe, einer außergewöhnlichen und in Kirchheim erstmalig zu hörenden Instrumentenkombination. Der frühere Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker, Hansjörg Schellenberger, konzertiert im Duett mit der früheren Solo-Harfenistin des Sinfonieorchesters des NDR Hamburg, Margit-Anna Süß.

Die Solo-Besetzung Posaune & Orgel ist ebenfalls ein Novum beim Konzertwinter. Die historische Altposaune erklingt genauso wie die moderne Tenorposaune, gespielt von der Solo-Posaunistin des SWR Symphonieorchesters Stuttgart, Mayumi Shimizu, dazu die wunderbare Mönch / Hartung Orgel, gespielt von der Titularorganistin am Dom St. Blasien, Eiko Maria Yoshimura.

Trompete & Orgel – ein besonders an Weihnachten gern gehörtes und lieb gewonnenes Klang-Duo. Der ungarische Meistertrompeter Krisztián Kováts wird mehrere historische Instrumente aus seiner weltweit einzigartigen Sammlung spielen und dabei die Entwicklung von der ventillosen Naturtrompete zur modernen Ventiltrompete musikalisch aufzeigen, accompagniert von seinem Duopartner Vincent Thévenaz, Orgelprofessor am Genfer Konservatorium.

J.S. Bachs Bauernkantate (eine Geburtstagskantate) und Epiphaniaskantaten mit farbiger Besetzung von Christoph Graupner stehen auf dem Programm beim Kantatenprojekt im Januar. 1723 waren Graupner und Bach Konkurrenten um das Thomaskantorat. Telemann, auf Platz eins, lehnte ab und ging nach Hamburg. Graupner, obwohl schon vom Rat der Stadt Leipzig gewählt, musste in Darmstadt bei seinem Fürsten bleiben, und Bach bekam den Posten als nachweislich „dritte Wahl“. Ein Teil des fast vergessenen Kantatenschatzes Graupners mit fünf exklusiv für dieses Projekt edierten und vermutlich seit über 250 Jahren nicht mehr aufgeführten Kantaten (von über 1400 überlieferten) wird zu hören sein. Dazu erklingt die vermutlich humorvollste weltliche Kantate Bachs, dediziert dem Kammerherrn Dieskau zu dessen 36. Geburtstag, einem Vorfahren mütterlicherseits des berühmten Sängers. Ein international renommiertes Gesangssolistenquartett musiziert unter Leitung der finnischen Geigerin und Graupner-Spezialistin Sirkka-Liisa Kaakinen-Pilch mit dem Kirchheimer BachConsort auf historischen Instrumenten (zu hören sind beispielsweise Viola d´amore, Flauto d´amore, Oboe d´amore und Chalumeau).

Zwei Tenöre und zwei Bässe firmieren unter dem Namen Quartonal als herausragendes preisgekröntes Männerquartett. Gemeinsam im Knabenchor musikalisch groß geworden, zelebrieren sie bekannte und unbekannte Weisen unter dem Konzerttitel „Von der Klage bis zum Reigen“ mit einem frischen, obertonreichen Klang, einfühlsamen Interpretationen bei stets mühelos perfekter Intonation.

Das Abschlusskonzert der diesjährigen Saison ist in Form eines Liederabends ausschließlich dem wohl größten Liedkomponisten aller Zeiten gewidmet: Franz Schubert. Über 600 Lieder hat er der Nachwelt hinterlassen, darunter die unsterblichen Zyklen „Die schöne Müllerin“ und „Winterreise“. Graham Johnson, einer der bedeutendsten Liedpianisten unserer Zeit, kann von sich behaupten, alle Lieder von Schubert zu kennen. Er hat sie nicht nur alle im Konzert gespielt, sondern ebenfalls alle auf CD aufgenommen und in seinem kürzlich erschienenen dreibändigen, 3000 Seiten umfassenden Lexikon ungemein kenntnisreich besprochen. Dieser ausgewiesene Schubertianer und weltbekannte Pianist wird zusammen mit dem Bassbariton und Bachpreisträger Dominik Wörner das Finale der 26. Saison mit einer Hommage an Schubert gestalten.

Seien Sie herzlich willkommen zur neuen Saison, genießen Sie die Vielfalt unserer Konzerte, die Vielfalt der dargebotenen Musik und das vielfältige Können unserer Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt, die den Kirchheimer Konzertwinter zu dem machen, was ihn seit nunmehr 26 Jahren auszeichnet: zu einem Stück Kultur vom Feinsten!

Dominik Wörner
Künstlerischer Leiter