Horn, Alphorn & Orgel

Eine ungewöhnliche Kombination - in der Tat. Das Waldhorn wird natürlich primär mit einem Orchester in Verbindung gebracht. Bei Alphorn denken wir mehr an ein schweizerisches Alpenidyll mit Käse-Fondue und Jodler denn an klassische Musik. Aber halt – schon Papa Leopold Mozart schrieb für das Alphorn seine Sinfonia Pastorella, eine Hirtenmusik zu Weihnachten, gleichzeitig das erste Stück im Repertoire der „Kunstmusik“. In der Barockzeit wurde das Diskanthorn gerne eingesetzt, um den cantus firmus z. B. einer Bach-Kantate zu verstärken oder beim Choralvorspiel. Beispiele dieser Gattung erklingen mit Kompositionen von Gottfried August Homilius.

Natürlich darf das ureigene Repertoire für Waldhorn wie das 1. Haydn-Konzert nicht fehlen, begleitet von der Orgel, die als Königin der Instrumente ein ganzes Orchester an kontrastierenden Farben zur Verfügung hat. Ergänzt wird das Programm durch weihnachtliche Orgelmusik von J. S. Bach.

Pressekritik

„Viel Freude am Horn
Thomas Crome und Dominik Wörner gefallen beim Kirchheimer Konzertwinter

Auch die Plätze in den hintersten Ecken der protestantischen Kirche waren besetzt, als am Freitagabend das Weihnachtskonzert des Kirchheimer Konzertwinters begann. Der Hornist Thomas Crome und der künstlerische Leiter des Konzertwinters, Dominik Wörner, an der Orgel, musizierten festlich und großteils sehr gediegen. Durchaus interessant: Das Publikum hatte die seltene Gelegenheit, ein Alphorn in klassisch-konzertantem Zusammenhang zu sehen und zu hören.

Crome blies dieses alpenländische Monumentalinstrument aus ausgehöhlter Tanne, das dort Karriere gemacht hat, weil sich damit weithin hörbare Signale vom Berg ins Tal blasen lassen, zwar mit Gefühl und erstaunlicher Geläufigkeit – aber ehrlich gesagt: Musikalisch macht diese große Holztrompete nicht allzu viel her. Zu hören waren traditionelle, von Alfred Leonz Gasmann in der Schweiz aufgezeichnete Alphornrufe, in denen Crome die Töne schön schwellen und blühen ließ, und eine recht bizarre Sinfonia pastorella von Leopold Mozart, die dieser verfasste, als Schweizer Bettelmusikanten mit Alphorn in Salzburg weilten. Er tat dies offenbar in großer Eile, denn Primitiveres als sein nur aus Floskeln bestehender Orchestersatz im Eingangsallegro lässt sich kaum denken, und so eckig und abgehackt auf der Orgel vorgetragen nimmt er sich gar nicht schön aus. Das Alphorn muss hier ganz schnell spielen – Crome meistert das tadellos. Der Mittelsatz war schön registriert, klang aber nicht so, als hätte sich der Organist im Vorfeld mit Zuneigung und Intensität mit diesem Werk befasst. Das muntere Finale versöhnte, das Alphorn erfreute durch eine Jagdmelodie.

Begonnen hatte das Weihnachtskonzert festlich mit Johann Sebastian Bachs Präludium in G-Dur BWV 541. Es folgten zwei Choralbearbeitungen über „Wie schön leucht´ uns der Morgenstern". Das erste stammte von Gottfried August Homilius: Leichtfüßig-lebhaft umspielt die Orgel den vom Horn in langen Notenwerten vorgetragenen Choral. Strenger legt Dominik Wörner den Choral in der Fassung von J. S. Bach an; er registriert geradezu karg: Die Musik wirkt nicht durch Klangmacht, sondern durch die Stringenz und den Reichtum der polyphonen Arbeit, die Wörner mit mustergültiger Klarheit darstellt.

Später spielt er vom gleichen Komponisten die Pastorella BWV 590. Über leisem, passagenweise kaum hörbarem Orgelpunkt entwickelt sich subtiles, klanglich fein ausgearbeitetes Orgelspiel. Das Stück ist von verhaltenem, meditativen Ernst geprägt und mündet in einen lebhaften Schlussteil. Das alles trug Wörner klar und ebenmäßig vor – welch ein Gegensatz zur ruppigen Ausführung des Mozart-Konzertes!

Die spätromantische Pastorale für Horn und Orgel von August Körling bot Thomas Crome Gelegenheit zu kantablem Spiel. Er brachte weit ausschwingende, warm-blühende Melodiebögen – sehr schön. Auch hier lässt sich über das harmonische Zusammenspiel beider Musiker und die interpretatorische Ausarbeitung nur Gutes sagen.

Wunderbar dann das D-Dur-Hornkonzert von Joseph Haydn. Den Streicherpart brachte Wörner wesentlich geschickter als bei Mozart auf die Orgel, gestaltete mehr, das Hornspiel war ausgeglichen und klangschön, die Kadenz ruhig und sonor. Im Mittelsatz brachte Crome wunderbare dunkle Pianotöne, und der Finalsatz klang munter, glänzend, brillant.

Das Weihnachtskonzert des Kirchheimer Konzertwinters hat mittlerweile so etwas wie eine eigene Liturgie. Dazu gehören das gemeinsam gesungene Weihnachtslied und geistliche Lesungen: Pfarrer Johannes Fischer trug ernste Verse von Jochen Klepper vor.“

Die Rheinpfalz, 02. Januar 2012 | Roland Happersberger

Fr. 30.12.2011,  19:00 Uhr

Horn, Alphorn
& Orgel

L. Mozart | J. S. Bach

Thomas Crome | Horn, Alphorn
Dominik Wörner | Orgel

Eintritt frei, Spenden erbeten